Fachbeirat Diktatur – Folgen – Beratung

Der Fachbeirat fördert die öffentliche Diskussion zu den langfristigen Folgen des Unrechts in der DDR. 

Mit seinen Veranstaltungen und Weiterbildungen für Berater*innen zur psychosozialen Begleitung und Unterstützung Diktaturbetroffener setzt er seit 2019 die Arbeit des Instituts für Diktatur-Folgen-Beratung fort.

Geschichte

Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer regte die Deutsche Kommission "Justitia et Pax" an, ein spezifisches psychosoziales Beratungsangebot zu schaffen für all diejenigen, die von Folgen des DDR-Unrechtssystems betroffen sind. 

Ziel war, diese Menschen bei ihrer individuellen Auseinandersetzung und der Aufarbeitung möglicher Traumatisierungen zu unterstützen mit dem Ziel der Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Aufklärung über die gravierenden psychosozialen Folgen erlittenen Unrechts sollte auch die notwendigen gesellschaftlichen Versöhnungsprozesse befördern.

Dazu wurde eine ökumenisch zusammengesetzte Projektgruppe gebildet, der folgende Personen angehörten:

  • Prof. Dr. Thomas Hoppe, Professur für Katholische Sozialethik an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Bischöfliche Kommission Justitia et Pax
  • Norbert Peikert, Supervisor (DGSv)
  • Prälat Hellmut Puschmann, Bischöfliche Kommission Justitia et Pax, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Leiter der Gruppe
  • Curt Stauss, der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland für Seelsorge und Beratung für Opfer der SED-Kirchenpolitik
  • Hartmut Storrer, Caritas Mecklenburg e.V.

Diese Projektgruppe initiierte das Institut für Diktatur-Folgen-Beratung

Gründung des Institutes für Diktatur-Folgen-Beratung in Schwerin in Trägerschaft der Caritas Mecklenburg e.V.

Aufgaben des Instituts:

  • Konzipierung von langfristig angelegten Weiterbildungen für Berater*innen, erfolgreiche Durchführung zweiter Durchläufe,
  • Aufbau eines Netzes von Beratungsstellen,
  • Durchführung regelmäßiger Netzwerktreffen,
  • Ermöglichung regelmäßiger Supervisionen für die Berater*innen,
  • Durchführung von Fachtagungen,
  • Evaluierung der verschiedenen Angebote.
     

Überleitung des Instituts für Diktatur-Folgen-Beratung und Etablierung des Fachbeirates für Diktatur-Folgen-Beratung

Das Institut hat eine hohe Expertise in diesem Feld der psychosozialen Begleitung und Unterstützung Betroffener und der Initiierung öffentlicher Diskussionen über die langfristigen Folgen erlittenen Systemunrechts. Um diese Erfahrungen langfristig mit Studieninhalten in Studiengängen des Sozial- und Gesundheitswesens zu verbinden, Weiterbildungen für Berater*innen wissenschaftlich fundiert anzubieten und langfristig abzusichern, wurde der Fachbeirat Diktatur-Folgen-Beratung an der KHSB gegründet. Angebunden ist der Fachbeirat an das Referat Weiterbildung der Hochschule. Das Institut für Diktatur-Folgen-Beratung hat sich aus der Trägerschaft der Caritas im Norden gelöst und ist übergegangen in den Fachbeirat.

Profil und Ziele

Der Fachbeirat für Diktatur-Folgen-Beratung ist eine Einrichtung der Katholischen Kochschule für Sozialwesen Berlin im Referat Weiterbildung. Er hat seinen Sitz in der KHSB und unterliegt den formalen und verwaltungsmäßigen Bestimmungen der Hochschule.

Zu den Aufgaben des Fachbeirats gehören:

  • Unterbreitung von Vorschlägen zur Konzeption von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen im Themenfeld des Instituts für Diktatur-Folgen-Beratung
  • Mitwirkung bei der Umsetzung von Weiterbildungen

     

  • Unterstützung bei der Organisation der Supervision für die dem Institut verbundenen Beraterinnen und Berater
  • Initiierung und unterstützende Organisation von Fachtagen im Themenfeld des Instituts
  • In Abstimmung mit der KHSB können dem Fachbeirat weitere Aufgaben zugeordnet werden.
Projekte

Beratungsangebot

  • Die Zielstellung des bestehenden Beratungsangebotes innerhalb des Fachbeirats für Diktatur-Folgen-Beratung ist es, die vielfältigen Formen des systembedingten Unrechts, die seelischen Verletzungen, das Erstarrt-Sein im Gestern, das jahrelange Schweigen und die gestörten Beziehungen zu verstehen und zu versuchen, diese heilend zu verändern. Viele der Betroffenen sind auch lange Zeit nach dem Erlebten nicht in der Lage, diese Verletzungen zu verkraften und ihr Leben zu bewältigen. In Hass oder Verzweiflung lassen sie das erlittene Unrecht immer wieder innerlich aufleben und bleiben somit unversöhnt mit sich selbst und mit ihrer Umwelt. Sie sind aufgrund ihrer Betroffenheit nicht bereit und in der Lage, sich den gesellschaftlichen Möglichkeiten zu öffnen. Das Beratungsangebot soll auch die Möglichkeit bieten, eigene Schuld im Zusammenhang mit einer Verstrickung in das System in einer angstfreien und geschützten Umgebung mit Hilfe erfahrener Berater*innen zu bearbeiten und sich mit sich selbst zu versöhnen. Aufgrund des systembedingten Unrechts wird hierbei die individualmoralische Opfer-Täter-Scheidung als nicht handlungsleitend für die beraterische Arbeit angesehen. Der Fachbeirat wertet die Erfahrungen aus der Seelsorge für politisch Verfolgte aus und verstärkt diesen Aspekt der Diktatur-Folgen-Beratung in seiner Arbeit.

Netzwerk

  • Die Berater*innen tauschen sich in regelmäßigen Abständen über ihre Erfahrungen in der Beratung aus und übermitteln die Schlussfolgerungen daraus an den Fachbeirat, damit dieser auf der Grundlage der Beratungserfahrungen weitere Unternehmungen plant und durchführt.

Supervision

  • Das Beratungsangebot der Diktatur-Folgen-Beratung ist aufgrund langjährig bestehender Verletzungen sehr intensiv, und die Begegnung mit dem Unrechtssystem der ehemaligen DDR so gravierend, so dass eine spezielle Supervision für die Berater*innen vorgehalten wird.

Weiterbildung

  • Für die Beratung kommen nur Berater*innen in Frage, die aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer bereits erworbenen beraterischen Kompetenz in der Lage sind, in diesem Themenkomplex reflektiert und engagiert zu arbeiten. Für die Beratungstätigkeit in der Diktatur-Folgen-Beratung ist eine fundierte Weiterbildung erforderlich.
  • Das frühere Institut für Diktatur-Folgen-Beratung hat zwei solcher Ausbildungsgänge konzipiert und erfolgreich durchgeführt. Über einen weiteren Ausbildungsgang wird derzeit nachgedacht.

Fachtagungen

  • Der Fachbeirat für Diktatur-Folgen-Beratung plant Fachtagungen – für eine interessierte Fachöffentlichkeit als Interpretation der Beratungserfahrungen mit neuen Ansätzen der Beratung und des Umgangs mit durch Diktatur und Systemunrecht traumatisierten Menschen – gemeinsam mit anderen Akteuren in diesem Themenfeld durchzuführen.

Fortbildung

  • Weiterbildungen bieten die Möglichkeit, das eigene professionelle Handeln zu reflektieren, neue Perspektiven und Haltungen zu entwickeln, zielgerichtet Fachwissen zu erwerben, die eigenen Handlungskompetenzen zu erweitern und von kollegialer Vernetzung zu profitieren. Dazu wird der Fachbeirat Anregungen geben und mit fachlicher Expertise bei der Durchführung mitwirken.
Fort- und Weiterbildungen & Fachtagungen

Psychosoziale Beratung und traumasensible Arbeit

Der Fachbeirat Diktatur – Folgen – Beratung bietet Fort- und Weiterbildungen im Bereich der psychosozialen Beratung und traumasensiblen Arbeit in unterschiedlichen Formaten an. Erfahrungen im Kontext diktatorischer Staatswesen sind sehr vielschichtig und komplex, sie wirken sich in vielfältiger und dauerhafter Weise auf die Biographien von Menschen aus. Dies äußert sich häufig an Stellen, die auf den ersten Blick gar nicht mit Erfahrungen von Repression und Gewalt in Verbindung zu bringen sind.

Ausgehend von Erfahrungen im Bereich erlittenen Unrechts in der DDR, welches einen bedeutenden exemplarischen Referenzpunkt darstellt, zielen die Fortbildungsformate sowohl auf die Sensibilisierung für das Thema der Betroffenheit von Diktaturfolgen, auf die Ergänzung beraterischer Kompetenzen durch traumasensible Arbeit sowie auf die umfassende Einführung in psychosoziale und traumasensible Beratungsarbeit.

 Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund einer Zunahme von geflüchteten Menschen mit traumatischen Erfahrungen und Leben im Kontext von Diktaturen von Bedeutung. Hier sind vielfältige beraterische Kompetenzen gefordert. Selbsterfahrung, die Aneignung neuer fachlicher Perspektiven und Informationen zu vorhandenen Beratungsstrukturen, vor allem auch zu rechtlichen Fragen, sind zentrale Inhalte der Angebote.

Die Fortbildungen werden von hochqualifizierten Referent*innen in drei zeitliche Formaten angeboten, die über langjährige praktische und Erfahrungen in diesen Themenfeldern verfügen. Die Qualifzierungsprogramme können auf unterschiedliche Beratungserfordernisse und Handlungsfelder hin (wie etwa Altenhilfe, Familienberatung, Allgemeine Soziale Beratung) spezifiziert werden.

Mitglieder

Der Fachbeirat besteht aktuell aus vier Personen:

Curt Stauss, Pfarrer im Ruhestand, ehemaliger Beauftragter des Rates der EKD für Seelsorge und Beratung für Opfer der SED-Kirchenpolitik. Fach- und Arbeitsgebiet: Versöhnung politisch und theologisch, Vergebungsarbeit, interreligiöse und Traumaseelsorge. 

Hartmut Storrer, ehemaliger Bürgerrechtler der DDR, Dipl. Sozialarbeiter/ -pädagoge, Lehrbeauftragter an der KHSB, Supervisor – Erweiterte mediationsanaloge Supervision (EMS). 


Maximilian Heidrich, M.A., Mitarbeiter der Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Fach- und Arbeitsgebiet: Bürgerberatung, politische Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Sachbearbeiter. 

Prof. Dr. Reinhard Burtscher, Leiter des Fachbeirates & des Referats Weiterbildung, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Weiterbildung.

Ansprechpersonen

Sie haben Fragen? Wir helfen Ihnen gern weiter.

Heike Mielke

Heike Mielke

Referat Weiterbildung
Termin nach Vereinbarung
Raum 2.073a
Reinhard Burtscher

Prof. Dr. Reinhard Burtscher

Vizepräsident / Professur für Heilpädagogik
Termin nach Vereinbarung
Raum 2.073