Pflegebedürftige Kinder – bestens versorgt? Fachtagung zieht nach zehn Jahren Bilanz
Wie gut greifen die Unterstützungsangebote für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche in Berlin ineinander? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Fachtagung „Pflegebedürftige Kinder – bestens versorgt?“, die am 3. November 2026 an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) stattfand. Zehn Jahre nach der ersten Tagung kamen rund 120 Vertreter*innen aus Fachpraxis, Politik, Wissenschaft, Selbsthilfe und Interessenvertretung zusammen, um Entwicklungen seit 2016 zu bilanzieren und aktuelle Herausforderungen zu diskutieren.
Veranstaltet wurde die Tagung von der Fachstelle MenschenKind des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg und dem Kindernetzwerk e.V. Im Mittelpunkt standen die Lebenssituationen pflegebedürftiger Kinder und Jugendlicher sowie die Frage, wie Unterstützungsangebote künftig besser aufeinander abgestimmt werden können.
In ihrem Grußwort unterstrich Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, die Bedeutung einer bedarfsgerechten Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Pflegebedarf sowie ihrer Familien.
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, rückte die Verbindung von Pflege und Teilhabe in den Mittelpunkt: „Kinder und Jugendliche mit Pflegebedarf haben das Menschenrecht auf Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe. Ob sie dieses Recht im Alltag wahrnehmen können, darf nicht von der Durchsetzungskraft ihrer Eltern abhängen. Diese Fachtagung hat ein wichtiges Signal gesetzt: Die Lebensrealität pflegebedürftiger Kinder und ihrer Familien muss stärker ins Zentrum politischer Entscheidungen rücken.“
Für den Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg hob Sabine Sebayang, Leiterin der Abteilung Humanistische Hospize, hervor, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Bildungs-, Gesundheits- und Unterstützungssystemen sei. „Wenn Schule, Pflege und medizinische Versorgung nicht zusammenspielen, müssen Familien die Lücken auffangen. Das darf kein Dauerzustand sein. Mit der Fachstelle MenschenKind machen wir Versorgungslücken sichtbar und vernetzen Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen. Die Fachtagung hat gezeigt, wo wir gemeinsam ansetzen können. Jetzt müssen daraus konkrete Verbesserungen für die Familien werden.“
Weitere Impulse lieferten Christine Braunert-Rümenapf, Berliner Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, die die rechtlichen und strukturellen Entwicklungen der vergangenen Jahre beleuchtete, sowie Jane Morgenthal von Eltern beraten Eltern e.V., die die Perspektive betroffener Familien einbrachte. Einen Rückblick auf die Ergebnisse der ersten Tagung von 2016 gab Benita Eisenhardt vom Kindernetzwerk e.V.
In zehn Arbeitsgruppen, den sogenannten „Denkräumen“, diskutierten die Teilnehmenden Themen wie die Begleitung pflegebedürftiger Kinder in Kita und Schule, die Entlastung von Familien, die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Systemen sowie den Übergang ins Erwachsenenalter. Dabei wurden sowohl bestehende Fortschritte als auch weiterhin bestehende Handlungsbedarfe sichtbar. Ein besonderes Augenmerk lag auf der stärkeren Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien an Entscheidungsprozessen.
Ergänzt wurde das Programm durch die
Seit der ersten Fachtagung im Jahr 2016 begleitet die KHSB die Veranstaltung als Kooperationspartnerin. Wir freuen uns, dass die Hochschule seit nunmehr zehn Jahren ein Ort des Austauschs und der Vernetzung für alle Akteur*innen ist, die sich für die Versorgung und Teilhabe pflegebedürftiger Kinder und Jugendlicher einsetzen.
Die Fachstelle