Tag der Schöpfung: Verantwortung, die wir täglich leben
„Das Lebendige soll leben können, nicht nur um der Nützlichkeit für den Menschen willen, sondern um der Fülle, um der Schönheit der Schöpfung willen, einfach um zu leben und dazusein."
Diese
Wer tiefer in das 38. Kapitel des Buches Hiob eintaucht, merkt schnell: Die Frage zielt nicht auf geografische Erkenntnis, sondern auf eine fundamentale Einsicht in die Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung. Gott erinnert Hiob daran, dass die Schöpfung weit über das hinausgeht, was der Mensch überblicken und kontrollieren kann. Die Erde ist nicht allein für uns da – sie besitzt ihren eigenen Wert.
Das
Damit verbindet sich eine Kritik am Anthropozentrismus, also an einer Sichtweise, in der die Welt vor allem aus der Perspektive des Menschen betrachtet und die Natur danach bewertet wird, welchen Nutzen sie für uns besitzt. Die biblische Schöpfungserzählung setzt hier einen anderen Akzent: Gott sieht die Schöpfung an und erkennt, dass sie gut ist, bevor der Mensch überhaupt geschaffen wird. Pflanzen, Tiere und Lebensräume müssen also nicht erst dadurch wertvoll werden, dass sie einen unmittelbaren Nutzen für uns Menschen haben. Sie gehören zur Fülle und Schönheit der Schöpfung. Gerade angesichts von Klimawandel, Artensterben und dem Verlust biologischer Vielfalt ist diese Haltung von großer Bedeutung. Sie ergänzt notwendige technische und wissenschaftliche Lösungen um eine grundlegende Frage: Wie wollen wir als Menschen in dieser Welt leben, deren Teil wir selbst sind?
Ein sichtbares Zeichen auf dem Campus
An einer katholischen Hochschule darf diese Haltung nicht nur Gegenstand theologischer Reflexion sein – sie sollte sich selbstverständlich auch in unserem täglichen Handeln widerspiegeln. Unser Campus bietet dafür in diesem Jahr ein schönes und konkretes Beispiel: Anlässlich des Tags der Schöpfung machen wir auf die Neupflanzungen im Zuge der Umbauarbeiten aufmerksam. Nahezu ausschließlich wurden heimische Wildgehölze ausgewählt. Wir schaffen mit dieser bewussten Entscheidung wertvolle Rückzugs- und Lebensräume für heimische Insekten- und Vogelarten und bieten Nahrung und Schutz. Die Auswahl der Gehölze lässt sich in der Liste der neu gepflanzten Gehölze bei
Diese Pflanzen sind nicht nur für uns da. Sie blühen für Insekten, tragen Früchte für Vögel, bieten Schutz und Struktur und werden selbst Teil eines lebendigen Netzwerks. Ihr Wert erschöpft sich nicht darin, dass sie den Campus schöner machen – sie schaffen Raum für anderes Leben. Genau hier wird die „Dezentrierung des Menschen" ganz konkret: Es geht nicht darum, den Menschen aus der Gestaltung seiner Umwelt herauszunehmen. Im Gegenteil, weil unser Einfluss auf die Natur so groß geworden ist, tragen wir besondere Verantwortung dafür, wie wir gestalten – so, dass neben unseren eigenen Bedürfnissen auch die Bedürfnisse anderer Lebensformen berücksichtigt werden.
Die Entscheidung für heimische Wildgehölze steht dabei nicht für sich allein. Sie reiht sich ein in eine Vielzahl von Maßnahmen, welche die
Ein transdisziplinäres Miteinander
Dass die Pflanzpläne im Zuge der Umbauarbeiten noch kurzfristig angepasst werden konnten, ist einem besonderen transdisziplinären Zusammenspiel zu verdanken. Hausmanagement, Erzbistumsvertretung, Bauleitung und Landschaftsarchitektin haben ihre jeweiligen Perspektiven und Kompetenzen zusammengebracht und gemeinsam eine Lösung entwickelt. Dass dies innerhalb eines laufenden Bauprozesses gelungen ist, darf durchaus als kleines transdisziplinäres Meisterstück bezeichnet werden – ein Beispiel dafür, was möglich wird, wenn unterschiedliche Fachbereiche nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten und ein gemeinsames Ziel verfolgen.
Gerade darin liegt auch eine Stärke der Katholischen Hochschule für Sozialwesen: Wissen, Verantwortung und konkretes Handeln lassen sich miteinander verbinden. Theologie, Wissenschaft, Management, Architektur und Gestaltung müssen dabei keine getrennten Welten sein. An der KHSB verstehen wir Nachhaltigkeit als gemeinsame Aufgabe. Sie ist Ausdruck unserer Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Umwelt und prägt unser Handeln in Lehre, Forschung und Hochschulleben. Der Ökumenische Tag der Schöpfung erinnert uns daran, diese Verantwortung immer wieder neu bewusst wahrzunehmen und gemeinsam zu gestalten.
Veranstaltungshinweis
Der Ökumenische Rat Berlin-Brandeburg (ÖRBB e.V.) und die ACK Potsdam laden herzlich zum diesjährigen Tag der Schöpfung am Sonntag, dem 13. September 2026 nach Potsdam ein.
Der Tag der Schöpfung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“ (Hiob 38,18). Um 11 Uhr startet im Volkspark Potsdam das Potsdamer
Hintergrund
Jedes Jahr im Spätsommer verbindet der Ökumenische Tag der Schöpfung spirituelle Impulse mit gesellschaftlicher Verantwortung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir mit der Erde und unseren Mitgeschöpfen umgehen. Der Tag lädt dazu ein, innezuhalten, die Schönheit der Schöpfung bewusst wahrzunehmen und konkrete Schritte für einen nachhaltigen Lebensstil zu gehen.
Der Tag der Schöpfung ist Teil der christlichen Schöpfungszeit, die vom 1. September bis zum Gedenktag des heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober begangen wird. In dieser Zeit rücken die Bewahrung der Schöpfung, der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Verantwortung für kommende Generationen besonders in den Fokus.
Mehr Informationen zum Ökomenischen Tag der Schöpfung finden Sie auf der Website der