„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit“
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit“, komponiert Paul Gerhardt. 2026 feiern wir seinen 350. Todestag. Seine Weisen gehen noch heute zu Herzen, nicht nur naiv Weltflüchtigen, sondern auch Menschen mit Realitätssinn angesichts des in Europa andauernden Ukraine-Kriegs und aller anderen Gewaltkonflikte. Denn Gerhardts Sinn für Lebensfreude inmitten des Dreißigjährigen Krieges ist kein Kitsch. Seine Lieder geben Trauer und Schmerz redlich Resonanz.
Seine Tiefenschwingung aber ist Gottvertrauen. Für Menschen ohne Gottesglauben kann das erfahrbar werden als Gehaltensein vom Leben, aus dem ich Halt geben will, reich und freundlich trotz Mühsal und Plage: Da kommt doch noch was!
Jetzt im Sommer muss noch was kommen, eine Auszeit, endlich! Die Seele baumeln lassen ist eine Kunst. Das will geplant sein, und wenn die Planung wagemutig heißt: Einfach mal losziehen! Was auch immer kommen mag, der Grad der Entspannung wird sich zeigen, wenn’s nicht so läuft: schlechtes Wetter, Abzocke statt Gastfreundschaft. Und: Stress mit sich und den Mitreisenden.
Viele Roadmovies starten so: Auf Abwegen kommt die große Liebe – zu jemandem, zu mir, zu einer Idee. „Reiselustig“ werden: Frust mit Humor nehmen. Denn in der Auszeit muss nichts nach Plan sein. Nur aufs Herz wäre zu hören, damit es ausgehen kann. Dann bringt die Autopanne natürlich Ärger, vielleicht aber auch ein unvermutetes Abendessen, getauschte Adressen oder zumindest die Erfahrung, Hilfe zu bekommen, mit Lust, die eigene Großzügigkeit zu pflegen.