Prof. Dr. Jens Wurtzbacher im Kurzinterview
In unserem aktuellen Kurzinterview spricht Dr. Jens Wurtzbacher, Professor für Sozialpolitik an der KHSB, über seine berufliche Laufbahn, seine Motivation und Wegbegleiter*innen. Er teilt persönliche Einblicke in das, wofür er dankbar ist und was ihn bewegt.
Wie sind Sie hier gelandet?
Ganz ehrlich? Durch Zufall und Glück. Ich war vorher als wissenschaftlicher Referent beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge tätig und hatte die notwendigen wissenschaftlichen Qualifikationen und Berufserfahrungen. Als Lehrbeauftragter war ich auf die Ausschreibung der Professur für Sozialpolitik aufmerksam geworden. Da habe ich mich spontan beworben, weil ich in der Hochschullehre tätig sein wollte und mir die KHSB sehr sympathisch war. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Auf welches Ziel arbeiten Sie gerade hin?
Mein Ziel hat sich nicht geändert: Ich möchte die Grundlagen der sozialen Demokratie, des Wohlfahrtsstaates und der sozialen Dienstleistungspolitik mit einem möglichst hohen inhaltlichen Anspruch vermitteln und Studierende zu einer konstruktiv-kritischen politischen Haltung motivieren, zur Wertschätzung von Freiheitsrechten und zur Ablehnung von Autoritäten, die sich nicht im öffentlichen Diskurs legitimieren und hinterfragen. Nur in einer politischen Ordnung, die individuelle Autonomie und Freiheitsrechte sicherstellt, kann Soziale Arbeit fachlich sinnvoll betrieben werden.
Was brauchen Sie heute im Beruf, was Sie im Studium nicht gelernt haben?
Vor allem Geduld, Ausdauer und Ideen. Wie alle Themen baut auch die Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft auf Wissen auf. Ohne Wissen bleiben Diskussionen an der Oberfläche und langweilig. Deswegen brauche ich Geduld und Ausdauer, damit Wissen im Verlauf von Veranstaltungen und des Studiums wachsen kann, und Ideen, wie man politisches Wissen möglichst anschaulich darstellt. Interessen und Motivation wecken, das erlernt man im Studium nicht.
Wer unterstützt (und begleitet) Sie auf Ihrem Weg?
Da gibt es viele Personen. Zuerst natürlich die Studierenden, denn Lehre ist eine permanente Interaktion. Forderungen und Bedürfnisse werden an mich herangetragen, es gibt Erwartungen der Prüfungsordnung, das alles hilft bei der Planung des Lehrangebotes. Dann natürlich die Leitung der Hochschule, sowohl das Präsidium wie das Hochschulmanagement, die die Bedingungen eines guten Studienangebotes schaffen. Wichtig sind für außerdem externe Kooperationspartner*innen, die sicherstellen, dass die Lehrinhalte einen praktischen Bezug haben.
Wofür sind Sie dankbar?
Ich bin für viele Dinge dankbar. Besonders dafür, dass ich eine berufliche Aufgabe und ein professionelles Umfeld habe, das mir viele Freiheiten und Möglichkeiten für Experimente lässt. Das ist nicht immer einfach, weil man sich persönlich organisieren und gleichzeitig dazu beitragen muss, diese Freiheiten durch persönliches Engagement auch zu erhalten. In sehr vielen Ländern gibt es keine Wissenschaftsfreiheit, das heißt, Erkenntnisse der Forschung werden durch politische Macht beeinflusst. Ich bin dankbar, dass dies in Deutschland nicht der Fall ist und ich davon profitieren kann.
Glauben Sie das es gut wird?
Na klar! Anders vielleicht – aber gut. Wir haben alles, was wir dazu brauchen. Natürlich erleben wir viele Erschütterungen unserer Normalität, die wir bis vor Kurzem in dieser Form nicht für möglich gehalten hätten: den Wandel des Klimas, die Grenzen eines wachstumsorientierten Kapitalismus, tiefe soziale Ungleichheiten, aufflackernde Kriege und Gewalt innerhalb von Gesellschaften, die Gefahr weiterer Pandemien, aufkeimende Nationalismen… Die Liste lässt sich fortsetzen. Gleichzeitig haben wir viele Erkenntnisse und Strategien, wie wir damit umgehen können. Die werden wir umsetzen.
Und außerdem?
Mir ist wichtig, dass die KHSB als ein Ort des Austausches von Wissen, der Diskussion von Ideen und des solidarischen Miteinanders immer wieder neu entsteht. Der menschlich offene und inhaltlich niveauvolle Charakter des Hauses soll erhalten bleiben. Daran sollten alle Mitglieder der Hochschule verantwortlich mitwirken.
Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr.