Psychosoziale Beratung und traumasensible Arbeit im Kontext politischer Verfolgung
Mehr als 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution in der DDR zeigt sich, dass die Aufarbeitung der vielfältigen Unrechtserfahrungen aus der DDR-Zeit bis heute andauert und keineswegs als abgeschlossen gelten kann. Der Zertifikatskurs stellt eine Einführung in die Konzepte und Methoden der psychosozialen Beratung dar.
Kursbeschreibung
Dieser Zertifikatskurs in fünf Modulen à zwei Tage stellt eine Einführung in die Konzepte und Methoden der psychosozialen Beratung dar. Zielgruppe sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die psychosoziale Beratung oder spezifische Begleitung für Menschen mit schwerwiegenden Unrechtserfahrungen aus der SED-Diktatur und deren Angehörigen leisten. Die erworbenen Kompetenzen bilden eine Grundlage, die durch vertiefende Fortbildungen weitergeführt und durch regelmäßige Supervision begleitet werden sollte.
Der Zertifikatskurs wurde vom Fachbeirat
Gefördert mit Mitteln der
Mit freundlicher Unterstützung der
Kursinhalte
- Gesprächsführung (Grundsätze des helfenden Gesprächs im Sinne der psychosozialen Beratung)
- Beratungsmethoden (die Methodik des psychosozialen Beratungsgesprächs und die Rolle des Beratenden)
- Emotionalität in der Beratungsbeziehung (Zusammenspiel zwischen Gefühl und Beziehung)
- Einführung und Überblick in psychische Störungen als Folgen von Gewalt- und Unrechtserfahrungen, Schwerpunkt auf Traumafolgestörungen
- Selbsterfahrung und Haltung (persönliche Erfahrungen bzw. Erkenntnisse im politischen Kontext von Unrechtserfahrungen)
- Bedeutung und Hintergrund traumatischer Ereignisse (im Hinblick auf eingeschränkte Bewältigung und Organisation selbstbestimmten Lebens)
- Einführung in die Beratung zu gesetzlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit Entschädigung und Rehabilitierung
- Geschichte der DDR, mit einem besonderen Blick auf die Organisationsformen und Wirkungsgeschichte des MfS
- Selbsterfahrung, Gruppengespräch (eigenes Erleben sozialer Prozesse in der Gruppe)
- Bedeutung und Hintergrund von Supervision und Selbstreflektion in der psychosozialen Beratung
Termine
Modulübersicht
Der Zertifikatskurs besteht aus fünf zweitägigen Modulen. Einen vorläufigen Ablaufplan finden Sie im Bereich
1. Modul: 19./20. Juni 2026
- Vorstellungsrunde und Einführung in Struktur, Inhalte und Träger der Weiterbildung
- Einführung in die kursbegleitende individuelle Arbeit an einer Fallpräsentation
- Ein dialogischer Abend zum Ankommen: Was brauche ich - und was bringe ich mit?
- Selbsterfahrung
- Psychotrauma: Grundlagenwissen
- Traumafolgestörungen im Überblick
2. Modul: 9./10. Oktober 2026
- Gesetzliche Bestimmungen zur Rehabilitierung
- Welche Kenntnisse über politische, ökonomische und kulturelle Aspekte der DDR-Geschichte braucht eine informierte Beratung?
- Vertiefendes Gespräch mit den Referent*innen des Tages.
- Selbsterfahrung
- Unrechtserfahrungen anhand ausgewählter Opfergruppen in der DDR
- Traumaberatung für politisch verfolgte Menschen (Hilfe bei Gesundheitsschäden durch politisches Unrecht)
3. Modul: 4./5. Dezember 2026
- Langzeitwirkungen von Traumatisierungen und Unrechtserfahrungen in der DDR
Transgenerationale Weitergabe zwischen gesundheitlicher und sozialer Benachteiligung und posttraumatischem Wachstum
- Methoden des MfS
- Selbsterfahrung
- Grundhaltungen in der psychosozialen Beratung Beratungserfahrungen für systemisch Zugehörige zu traumatisierten Personen - Hilfesysteme und Behandlungsmöglichkeiten
- Zugang zur praktischen Beratungstätigkeit
4. Modul: 15./16. Januar 2027
- Was ist Seelsorge und wie arbeitet sie?
- Vergebungs- und Schuldarbeit
- Film „Barbara“
- Psychische Resilienz: Was macht die Seele stark? (Theorie)
- Psychische Resilienz: Resilienz ist trainierbar! (Anwendungsbeispiele)
- Das repressive Heimsystem der DDR: Schicksale und Konsequenzen
5. Modul: 5./6. März 2027
- Präsentationen von Fallbeispielen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern
- Das Thema in der Literatur: Wir lesen von Gregor Sander die Erzählung ‚Stüwes Tochter‘
- Selbsterfahrung
- Qualitätssicherung – Supervision, Reflektion, Netzwerk
- Abschlussfeedback und Zertifikatsübergabe
Zielgruppe
- Berater*innen in psychosozialen Beratungsstellen, die sich bereits einen Zugang zu den besonderen Anforderungen an Diktatur-Folgen-Beratung erarbeitet haben
- Berater*innen in Biografie orientierten Beratungsstellen
Der Kurs ist eher nicht für Personen geeignet, die sich aus eigener Betroffenenperspektive mit dem Themenkomplex auseinandersetzen wollen.
Lehrende
- Burkhard Bley, Schwerin, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur
- Dr. Angelika Censebrunn-Benz, Berlin, Historikerin, Lektorin, Autorin, Dozentin
- Anne Drescher, Historikerin, Bürgerrechtlerin der ehemaligen DDR, von 2013 - 2023 Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Mecklenburg-Vorpommern
- Prof. Dr. Heide Glaesmer, Universitätsklinikum Leipzig, Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, stellvertretende Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig
- Prof. Dr. med. Vera Hähnlein, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Professur für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Beratung an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin
- Petra Morawe, Theaterwissenschaftlerin, zertifizierte Trauma Fachberaterin, langjährige Referentin für Rehabilitierungsfragen bei der brandenburgischen Landesbeauftragten, Schönbach
- Dr. Marie Anne Subklew, Pastorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Geschäftsführerin der Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen/Fakultät Geisteswissenschaften der Universität Hamburg
- Curt Stauss, Pfarrer i.R., ehem. Beauftragter des Rates der EKD für Seelsorge und Beratung für Opfer der SED-Kirchenpolitik
- Hartmut Storrer, Dipl.-SA/SP (FH), Supervisor - Erweiterte mediationsanaloge Supervision (EMS), Lehrbeauftragter u.a. an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin
- Prof. Dr. Oliver Tüscher, Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Halle/Saale
- Tina Weinrich, Beraterin beim Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Download
-
Modulplan Zertifikatskurs (PDF, 376 KB)
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