Zwischen Ostern und Pfingsten
An Pfingsten merken die Jünger*innen, dass Ostern war. So lautet die theologische Kurzformel zum einen Ereignis beider Feste. Der Justizmord an Jesus kann seine Inspiration nicht erledigen. Nach 50 Tagen ist die lähmende Angst ausgestanden. Die Jesus-Bewegung fürchtet politische und religiöse Verfolgung und hat noch mehr Mut, das Jesu-Projekt vom Teilen und Heilen zu betreiben. Das Inklusionsprogramm wider Klassismus und Rassismus trifft die Menschheitshoffnung auf mehr eigene Courage. Pfingsten, Menschen aller Sprachen verstehen sich: Die Überwindung der Freund-Feind-Dynamik wäre der Himmel. Nicht alle müssen sich in den Armen liegen. Es geht um den Wettstreit für das gemeinsame Gute - in würdigender Nähe und Distanz, ohne Abwertung und Vernichtungsreflexe. Jürgen Habermas las Pfingsten als Parabel seiner Theorie vom herrschaftsfreien Diskurs („Auch eine Geschichte der Philosophie“, 2019, 4/2022). Gegen Ende seines Lebens äußerte er sich ernüchtert: Autokratien, Kriege, Zwangsmigration, hätten die globale Hoffnung auf gerechten Frieden, die in den Jahren nach dem Fall der Berliner Mauer berechtigt schien, zutiefst erschüttert.
Vor der Hoffnung ist nach der Hoffnung: Trauer hatte die Frauen ans Grab geführt, neuer Mut zurück in die Stadt. Sie säen Pfingsthoffnung hinter den verschlossenen Türen. So wird Pfingstarbeit möglich, Gewalt könnte enden - gegen Frauen, Kinder, vulnerable Gruppen. In Kriegen wäre Frieden auszuhandeln. Der Pfingstgeist pflegt göttliche Energien: soziale Verbundenheit! Die KHSB pflegt Social Care.
Annette Edenhofer