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Katholisch?! | Gott ist Frauenrechtler*in

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Katholisch sein – was heißt das eigentlich? Der Träger unserer Hochschule ist das Erzbistum Berlin. Wir sind eine konfessionelle Hochschule, die den christlichen Werten der Nächstenliebe, der Achtung der Menschenwürde eines jeden Individuums und des Respekts vor den anderen verpflichtet ist. Hier zu lernen, zu lehren und zu arbeiten bedeutet nicht unbedingt, den Glauben persönlich zu teilen, sondern vielmehr, seine Bedeutung zu kennen. In dieser Rubrik erklären die Kolleg*innen der Religionspädagogik assoziativ-erhellend katholische Traditionen und Positionen. In dieser Folge erkundet Prof. Dr. Annette Edenhofer das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und das Magnificat.

Am 8. Dezember feiert die katholische Kirche das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Lange führte das Fest die Brandmarkung von Sexualität mit. Maria sei ohne Beischlaf schwanger geworden, das galt als Reinheitsideal. Im Jahr 2016 revidierte eine katholisch approbierte Bibelübersetzung die körperfeindliche Kirchenpolitik: Nicht das unverletzte Hymen einer Jungfrau ist der Kick, sondern weibliche Zivilcourage. Maria ist guter Hoffnung. Umso mehr sieht sie reinen Herzens klar: Die Welt liegt im Argen. In Rom wird hegemoniale Macht gemacht. Ihr Kampflied, das Magnificat, ist ein Lobpreis der Größe G*ttes – in der Hoffnung auf himmlischen Beistand für ihr irdisches Emanzipationsprojekt – gerade für Frauen und Kinder: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen!“ (Lk 1,52). Nicht Rache, sondern Lastenausgleich ist das Projekt. Göttliche Größe will alle gut leben lassen. Das Überwinden von ‚oben und unten‘ ist ein Kampf bis heute. Alle, die Vormacht haben, tun sich schwer mit Gewaltenteilung. Gewaltfrei für Gerechtigkeit zu kämpfen, verlangt Ausdauer. Gottvertrauen, Vertrauen ins Leben hilft dabei. Angesichts 90 Millionen Flüchtender im Jahr 2026 wird die Geburt im Stall wieder und wieder erzwungen, dunkle Zeiten. Nächte aber erhellen alle, die sich für Teilhabe aufmachen – privat und politisch. Und so viele sind gastfreundlich gegenüber eigenen unbekannten Anteilen und anderen Menschen, wie gottvoll! Mache Dich auf und werde Licht!

Annette Edenhofer

Deckengemälde Maria