Zwischen Bass und Buntstiften
„A stranger in life is a neighbour on the dancefloor."
Auf einem Musikfestival fühlt sich dieser Satz, niedergeschrieben im Rahmen unseres KiezTalks, ganz selbstverständlich an. Für einen Abend entstehen Begegnungen zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten. Man tanzt miteinander, lacht, kommt ins Gespräch – und geht am Ende doch wieder getrennte Wege. Und was kommt danach? Studien* zeigen, dass sich gerade junge Erwachsene zunehmend einsam fühlen – obwohl sie häufig von vielen Menschen umgeben sind. Gleichzeitig gehören soziale Beziehungen und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, zu den wichtigsten Ressourcen für Resilienz und mentale Gesundheit.
Das Team der
Gemeinsam mit
Reflexion trifft Kunst
Die Festivalbesucher*innen erwarteten eine zehn Meter lange Papierwand und diverse bunte Stifte zum Zeichnen, Schreiben und Ausprobieren. Wer wollte, konnte sich gegenseitig porträtieren, Gedanken festhalten oder Assoziationen ergänzen – und im Dialog mit den Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen weiterentwickeln. Aus vielen kleinen Beiträgen entstand im Laufe des Abends ein gemeinsames Kunstwerk, das viele unterschiedliche Facetten des Themas „Gemeinschaft“ offenbarte.
Natürlich spielten Freundschaften, Lieblingsorte oder gemeinsame Aktivitäten eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ging es immer wieder um etwas weniger Greifbares: aufeinander zugehen, füreinander einstehen, unerwartete Begegnungen, sich gesehen fühlen oder auch darum, allein sein zu können und trotzdem dazuzugehören.
Gerade dieser letzte Gedanke zog sich durch viele Beiträge. Gemeinschaft wurde nicht als Gegensatz zum Alleinsein verstanden. Vielmehr entstand das Bild einer Gemeinschaft, die Freiräume zulässt und dennoch Sicherheit gibt – weil Menschen wissen, dass jemand da ist, wenn sie Unterstützung brauchen.
Forschung zum Mitmachen
Die lange Papierrolle dokumentiert einen Abend voller Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Vorstellungen davon, was Gemeinschaft ausmacht. Der künstlerische Zugang zum Thema war auch für die begleitende Professorin der KHSB ein Experiment – letztlich mit einem positiven Ausgang.
„Uns hat überrascht, wie selbstverständlich sich die Festivalbesucher*innen auf das gegenseitige Zeichnen eingelassen haben. Die kreative Methode ermöglicht niedrigschwellige Zugänge und Begegnungen, die klassische Forschungsformate so oft nicht bieten. Gerade darin liegt für mich großes Potenzial – sowohl für die Soziale Arbeit als auch für partizipative Forschung.“
Prof. Dr. Sarah Häseler, Professorin für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt lokale Demokratieförderung an der KHSB
Grund genug, die Erfahrungen vom Mehr-als-Musik-Festival in die Gestaltung eines Schwerpunktseminars im Wintersemester einfließen zu lassen, um die Methodik mit Studierenden weiterzuentwickeln und in anderem Kontext auszuprobieren. Denn gerade an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften findet Forschung nicht nur in Hörsälen statt. Sie kann dort entstehen, wo Menschen ihren Alltag verbringen – auf öffentlichen Plätzen, in Stadtteilen oder eben mitten auf einem Musikfestival.
*Quellen:
Im Rahmen des Hochschulnetzwerks