Q&A mit der Präsidentin
Am 22. Juli fand in der Hochschule eine Infoveranstaltung zu aktuellen Ereignissen an KHSB statt. Dabei wurde wurde über den Polizeieinsatz auf dem Campus und die vorübergehende Schließung von Toiletten informiert. Darüber hinaus hatten Studierende die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Kritik zu äußern und ihre Anliegen einzubringen.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem Fragen an die Präsidentin, Prof. Dr. Gabriele Kuhn-Zuber gesammelt. Die Antworten auf diese Fragen finden Sie im folgenden Q&A.
1. Wie genau lief der Polizeieinsatz an der KHSB ab? Wo war die Polizei im Haus tätig und was genau hat sie dort gemacht? Und wie wird bei solchen Einsätzen darauf geachtet, dass sich auch vulnerable Studierendengruppen sicher fühlen?
Gabriele Kuhn-Zuber: Auf dem Weg zur Hochschule wurden die Studierenden und ihre Begleiter*innen des Sapir Academic College von zwei unbekannten Personen verfolgt und gefilmt. Die Verfolgung setzte beim ersten Umsteigen in die Tram ein und erfolgte bis zum Eingang der Hochschule. Nach Ankunft in der Hochschule wurde – entsprechend des bestehenden Sicherheitskonzepts, das immer bei Aufenthalten israelischer Staatsbürger*innen von der israelischen Botschaft und dem Landeskriminalamt verlangt wird – die Polizei über diese Verfolgung informiert. Sie kam dann an die Hochschule, um die Studierendengruppe und ihre Begleiter*innen zu befragen und um festzustellen, ob weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Die Polizei hat ausschließlich mit der Studierendengruppe und den Begleiter*innen gesprochen, von der Hochschule waren die Vizepräsidentin für Studium und Lehre und die für den Austausch zuständige Kollegin dabei. Es wurden unseres Wissens nach keine Studierenden oder Mitarbeiter*innen der KHSB befragt; die Polizei wurde lediglich an den Aufenthaltsort der Gruppe (Aula) verwiesen.
Polizeieinsätze auf dem Gelände der KHSB in einem derartigen Zusammenhang gab es bis dahin nicht, sodass keine Erfahrungen bestanden, wie der Umgang mit Studierenden der Hochschule erfolgen könnte. Über den Einsatz konnte nicht umfassend zeitnah informiert werden, weil dies – zumindest in der Zeit der Anwesenheit der israelischen Studierendengruppe – dem Sicherheitskonzept widersprochen hätte. Zudem fiel dieser Tag auf den “Tag der offenen Tür” – die Hochschulleitung ging davon aus, dass eine umfassende Information oder Meldung angesichts der Vielzahl von Besucher*innen an diesem Tag kontraproduktiv gewesen wäre, weil die Befürchtung weiterer Gefährdung der israelischen Gruppe, die sich im Übrigen in einem psychischen Ausnahmezustand befand, bestand. Obersten Ziel war die Studierenden des Seminars zu schützen.
Sollte es im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen zu unverhältnismäßigem Verhalten oder möglichen Rechtsverletzungen gegenüber Studierenden kommen, würde die Hochschule die Vorfälle sorgfältig prüfen und selbstverständlich alle ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ausschöpfen. Unsere Beratungsstellen – das Diversitätsbüro und die Beauftragte für Diversität und Antidiskriminierung – stehen Betroffenen zudem bereit, um Unterstützung zu leisten und weitere Hilfsangebote zu vermitteln.
2. Wie ist das World Café entstanden? Wurde das World Café als Reaktion auf die vorherigen Vorfälle und die Maßnahmen an der Hochschule geplant oder gab es die Idee dazu schon vorher?
Das World Café ist genau als Reaktion auf die Vorfälle und Maßnahmen der Hochschule geplant. Im Austausch mit der Ansprechperson für Antisemitismus und auf Grundlage von Rückmeldungen aus der Studierendenschaft möchte die Hochschule hiermit eine Plattform für Dialog schaffen. Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, Fragen und Sorgen zu diskutieren, die Studierende im Hinblick auf den Krieg im Nahen Osten bewegen. Selbstverständlich können auch die Hochschulstrukturen und die Entscheidungen der Hochschulleitung in diesem Kontext hinterfragt werden. Der Hochschulleitung ist es wichtig, dass die Hochschule als wissenschaftliche Einrichtung Foren anbietet, in der Meinungen und Argumente respektvoll ausgetauscht werden können – dieses Format kann, sofern dies gewünscht ist, zukünftig fest installiert werden, um regelmäßig in den Austausch zu gehen.
3. Wie genau soll das World Café aussehen? Wie ist der Ablauf geplant, welche Themen sollen besprochen werden, wann soll es stattfinden und wer wird daran teilnehmen? Können Studierende auch bei der Organisation und Vorbereitung des World Cafés mithelfen?
Das World Café ist am 3.11.2026 geplant. Es wird einen Input der Ansprechperson für Antisemitismus geben; diese wird allerdings dann den Raum verlassen, sodass mit Unterstützung einer externen Moderation des Mobilen Beratungsteam Berlin (MBT) das World-Café durchgeführt werden kann. Auch Atlanta Ina Beyer vom Diversitätsbüro wird zu Beginn der Veranstaltung vor Ort sein. Die Themen wurden in der Veranstaltung am 22.7.2026 gesammelt. Nähere Informationen können beim StuPa oder bei Dr. Tanja Ehmann erfragt werden, eine Anmeldung erfolgt über das Diversitätsbüro. Die Plakate dazu hängen im Haus aus. Selbstverständlich ist die Unterstützung durch Studierende immer willkommen.
4. Wie wurde mit den Flyern, Stickern und Schriftzügen weiter umgegangen? Wurde wegen aller Vorfälle Anzeige erstattet? Und was passiert mit den Fotos und anderen Dokumentationen, die dazu gemacht wurden? Wurde vollständig dokumentiert?
Das Hausmanagement ist angewiesen, Flyer, Sticker und Schriftzüge in den Toiletten oder anderswo zu entfernen und zwar unabhängig von der Botschaft, die damit verknüpft ist. Das Hausmanagement dokumentiert die entsprechenden Beschädigungen vollständig und übermittelt diese der Hochschulleitung, bevor sie entfernt werden. Akzeptiert werden nur Notruftelefonnummern der Opferhilfe, Beratung bei Häuslicher Gewalt und Ähnliches.
Anzeige wurde nicht erstattet, allerdings wurden die Flyer der Arbeiter*innenmacht, die zum Boykott des israelischen Besuchs aufgerufen haben, an das LKA und an RIAS weitergeleitet. Uns ist nicht bekannt, ob diese zu mehr als Dokumentationszwecken verwendet wurden. Die Bilder, die an der Hochschule von Aufklebern und Schriftzügen gemacht werden, werden archiviert; eine weitere Verwendung ist nicht vorgesehen.
5. Welche internationalen Hochschulkooperationen hat die KHSB? Seit wann besteht die Kooperation mit dem Sapir College und wie lange gibt es die anderen internationalen Kooperationen schon? Gibt es auch Kooperationen mit Hochschulen in Ländern wie der Türkei oder Russland? Wenn nicht, warum nicht?
6. Wie hat die Hochschulleitung auf die Anfeindungen und Bedrohungen reagiert? Welche konkreten Maßnahmen wurden zum Schutz von Dr. Tanja Ehmann und betroffenen Mitgliedern studentischer Gremien ergriffen?
Der Hochschulleitung ist es wichtig, dass der Dialog nicht abbricht und achtet darauf, dass Respekt und Achtung in den Diskussionen nicht verloren gehen. Zudem ist es wichtig, dass überhaupt ein Dialog zustande kommt und dieser nicht verweigert wird – weder zwischen den Mitgliedern der Hochschule untereinander als auch mit der Leitung. Die Bedrohungen werden ernst genommen, Unterstützung angeboten. Es hängt von der jeweiligen Situation ab, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, bisher ging es über Beratung und Angebot für Unterstützung nicht hinaus.
7. Welche Definition von Antisemitismus nutzt die KHSB? Gibt es eine eigene Arbeitsdefinition der Hochschule? Welche Definition liegt der Arbeit der Antisemitismusbeauftragten zugrunde und stimmen diese miteinander überein?
Die Definition von Antisemitismus ist Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Die Hochschule selbst hat sich unmittelbar nach dem terroristischen Angriff der Hamas im Oktober 2023 an den Verlautbarungen der Hochschulrektor*innenkonferenz und der Konferenz der Berliner Landesrektor*innen- und -präsident*innen orientiert und keine eigene Definition aufgestellt. Für die Hochschulleitung ist es wichtig, dass sich alle Mitglieder der Hochschule sicher fühlen können und nicht bestimmte Kennzeichen oder Sticker als Bedrohung wahrnehmen müssen. Ob diese Wahrnehmung mit der Definition von Antisemitismus – in welcher Form auch immer diese besteht – übereinstimmt, ist dabei unerheblich. Die Ansprechperson für Antisemitismus hat die Aufgabe, Beratung und Unterstützung für Personen, die von Antisemitismus betroffen sind, anzubieten und zu leisten und die Hochschulleitung bei Maßnahmen zu beraten, wie an der Hochschule ein respektvoller und fairer Austausch zwischen unterschiedlichen Positionen – auch vor allem bei Fragen von Antisemitismus – gelingen kann. Die Definition(en) von Antisemitismus sind Gegenstand von Lehrveranstaltungen.
8. Wie unterscheidet die Hochschule zwischen antisemitischen Äußerungen bzw. Handlungen und Kritik an der israelischen Politik? Und welche eigene Haltung vertritt die KHSB im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt?
Die KHSB unterscheidet sehr wohl zwischen antisemitischen Äußerungen und Handlungen und der Kritik an der israelischen Politik. Letztere wird vor allem in Bezug auf den Umgang mit und die Verfolgung von palästinensischen Bürger*innen, den Krieg im Gaza, im Libanon und im Iran als menschenverachtend, völkerrechtswidrig und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Das schließt aber nicht aus, dass die KHSB den Terror der Hamas und ihrer verbündeten militanten Gruppen wie der Islamische Dschihad in Palästina (PIJ), der im Übrigen palästinensische Menschen genauso betrifft wie israelische, ebenfalls auf das Schärfste zu verurteilen. Die Achtung der Menschenwürde und der Schutz des Lebens und der Menschenrechte haben keine Staatsbürgerschaft, keinen Glauben und keine ethnische Herkunft, sondern sind immer zu achten. Sie gelten für alle Menschen im Nahen Osten. Auf keinen Fall wird akzeptiert, dass jüdische Menschen hier in Deutschland oder anderswo für die Politik der israelischen Regierung als Kollektiv konstruiert und verantwortlich gemacht werden, nur weil diese Regierung aus Menschen besteht, die ebenfalls jüdischen Glaubens sind. Maßstab ist das Völker(straf)recht, das gilt für Israel genauso wie für andere kriegsführende Staaten wie z.B. Russland.
9. Wie bekommen Studierende die Antworten auf die offenen Fragen? Wie sollen die Fragen aus dieser Veranstaltung und die Antworten der Hochschulleitung im Nachgang für alle Studierenden zugänglich gemacht werden? Werden weitere Veranstaltungen dieser Art von der Hochschulpräsidentin begrüßt?
Die Hochschulleitung steht für Gespräche immer zur Verfügung. Gern kann die Präsidentin sich den Fragen der Studierenden auch in (hochschul)öffentlichen Diskussionen stellen. Die Veröffentlichung der Antworten auf diese Fragen im Newsletter ist eine Möglichkeit diese allen Hochschulmitgliedern zugänglich zu machen. Veranstaltungen, die den Austausch und den Dialog unter Berücksichtigung der Achtung jeder*jedes Beteiligten und des Respekts voreinander unterstützen und fördern und somit zu einem besseren Miteinander und Verständnis beitragen, werden von der Präsidentin sehr begrüßt.
Wir möchten dieses Q&A zugleich mit einer herzlichen Einladung zum
Darüber hinaus steht Prof. Dr. Gabriele Kuhn-Zuber selbstverständlich auch künftig persönlich für Fragen zur Verfügung, sei es im Rahmen von Veranstaltungen oder in einer StuPa-Vollversammlung.