"Die KHSB sehe ich als innovative Vorreiterin"
In unserem aktuellen Kurzinterview spricht Andreas Richter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der KHSB, über seine berufliche Laufbahn, Ziele, Arbeit mit Sinn und wichtige Wegbegleiter*innen. Er ist seit 2019 an der Hochschule tätig und teilt persönliche Einblicke in das, was ihn in seinem Arbeitsalltag bewegt.
Wie sind Sie hier gelandet?
Durch Zufall. 2008 haben wir für unseren ersten Sohn einen Platz in einer Kita bekommen, die damals Mitglied war bei „Menschen verändern ihren Kiez – Organizing Schöneweide“. Diese Bürgerplattform war auf Initiative des KHSB-Professors Leo Penta aufgebaut worden. Von 2013 bis 2023 war ich dort als Community Organizer tätig und hatte seit 2019 auch erste Lehraufträge an der KHSB. 2023 ergab sich dann die Chance, eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Qualifikation am
Auf welches Ziel arbeiten Sie gerade hin?
Meine Hauptaufgabe ist die wissenschaftliche Qualifikation, also die Arbeit an einer Dissertation. Ich beschäftige mich darin mit dem Teaching Social Action Ansatz, einem erfahrungsbasierten Demokratiebildungsformat für Hochschulen. Darüber hinaus möchte ich diesen Ansatz in Deutschland und Europa zu mehr Verbreitung verhelfen. Die KHSB sehe ich hier als innovative Vorreiterin.
Was brauchen Sie heute im Beruf, was Sie in Studium/Ausbildung nicht gelernt haben?
Ich habe in meinem Studium der Erziehungs- und Musikwissenschaft nicht gelernt, wie man Prüfungsleistungen benotet, obwohl das Thema Benotung oft und kontrovers diskutiert wurde. Ich finde es immer noch richtig, das Festmachen von Lebenschancen an Zahlen (und das unter Verwendung statistisch unzulässiger Rechenoperationen!) sehr kritisch zu sehen. Im Hochschulalltag muss ich trotzdem einen Umgang damit finden, dass Noten vergeben und Leistungsgerechtigkeit gewährleistet werden sollen.
Wer unterstützt (und begleitet) Sie auf Ihrem Weg?
Neben meiner Familie und Freund*innen, die mich unterstützen, habe ich sehr viele Kolleg*innen hier an der Hochschule in den letzten drei Jahren als große Stütze und Inspiration schätzen gelernt. Darunter vor allem meine Kolleg*innen vom DICO, die Kollegiat*innen des Promotionskollegs, die Hochschulleitung sowie insbesondere Prof. Dr. Sarah Häseler als Zweibetreuerin meiner Dissertation.
Welche Arbeit gibt Ihnen Sinn?
Ich empfinde es als großes Privileg, während meiner Arbeitszeit mit dafür sorgen zu können, dass unsere Demokratie nicht nur erhalten, sondern konstruktiv weiterentwickelt wird. Durch die Social Action und Community Organizing Seminare machen die Studierenden zum Teil zum ersten Mal entscheidende politische Selbstwirksamkeitserfahrungen. Diese sind so wichtig, um populistische, autoritäre oder faschistische Bestrebungen als solche erkennen und ihnen etwas Konstruktives entgegensetzen zu können.
Über was freuen Sie sich immer wieder?
Auf die neuen Studierenden zu Beginn eines jeden Semesters, ihre Themen und ihre Art, Lösungen für Probleme zu finden. Ich freue mich darauf, auch von ihnen zu lernen. Begeistert und gerührt bin ich jedes Mal dann, wenn Studierende tatsächlich diese Selbstwirksamkeitserfahrungen machen und unsere Arbeit einen Unterschied für ihr Leben macht.
Und außerdem?
Wir genießen hier die Freiheit von Lehre und Wissenschaft. Das ist nicht selbstverständlich. Freiheit kann man nur in der Freiheit verraten, sagt der deutsche Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. Dieser Verrat geschieht oft in kleinen, unmerklichen Schritten, beispielsweise aus Bequemlichkeit, aus gut gemeintem vorauseilendem Gehorsam, aus Angst. Ich finde, wir sind hier schon recht mutig. Wir können und müssen aber noch viel mutiger und Vorreiter*in sein: für Freiheit, die Würde aller Menschen und für Vielfalt.
Wir bedanken uns herzlich bei