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„Ich bin bis heute dankbar für die Fremdheitserfahrung.“

Interview

In unserem aktuellen Kurzinterview spricht Anette Reck, Leiterin des Praxisreferats an der KHSB, über ihre berufliche Laufbahn, Ziele, Auslandsaufenthalte und Wegbegleiter*innen. Sie ist seit 2004 an der Hochschule tätig und teilt persönliche Einblicke in das, was sie in ihrem Arbeitsalltag bewegt.

Wie sind Sie hier gelandet? 

Ich war vor der KHSB beim Bistums-Caritasverband als Referentin im Migrationsbereich beschäftigt und wurde durch den damaligen Rektor der Hochschule angesprochen, in das Praxisreferat zu kommen. Mein Start an der Hochschule begann jedoch planmäßig zuerst im Büro der Studienorganisation; dort war damals nur eine Mitarbeiterin tätig und durch den Aufbau des Studiengangs Kindheitspädagogik und die Einführung der Master-Studiengänge wurde eine personelle Verstärkung nötig. Der Einstieg in die Leitung des Praxisreferats erfolgte dann wie vorgesehen, als eine der beiden dort tätigen Verwaltungskräfte, die aus fachfremden beruflichen Qualifikationen kamen in den Ruhestand verabschiedet wurde und mit mir im Praxisreferat eine Sozialarbeiterin als Leitung installiert werden konnte. Davor war die Leitung durch eine Professorin wahrgenommen worden.


Auf welches Ziel arbeiten Sie gerade hin?

Auch wenn ich schon lange im Praxisreferat bin – Ideen und Wünsche, was man noch anders und besser machen könnte, um die Praxisphase für die Studierenden möglichst gut vorzubereiten und zu gestalten gehen nicht aus. Konkret heißt das, die kontinuierliche Evaluation des Praxismoduls inklusive der Praxisvorbereitung und -begleitung, Supervision und Praxisphase zu etablieren sowie zu den Serviceangeboten und Beratung des Praxisreferats. Für anstehende Reakkreditierungen wünsche ich mir eine direkte oder indirekte Mitwirkung des Praxisreferats und über die Einbindung der Praxiskommission eine Aktualisierung der Praxisordnung.
 

Was brauchen Sie heute im Beruf, was Sie im Studium nicht gelernt haben?

Mein Studium ist schon soooo lange her ... alles, was mit Digitalisierung zu tun hat, ist immer wieder neu und herausfordernd und bietet Möglichkeiten und Notwendigkeit zum weiter lernen. Wir sind in ersten Überlegungen, ob und wie unter KI-Einbindung die FAQs für Studierende effektiviert werden könnten.  
Die Umstellung von Diplom-Studiengängen auf Bachelor- und Master-Studiengänge führte zu einer enormen Verbreiterung und frühen Spezialisierung von (sozial-) pädagogischen Studiengängen, die das Berufsbild einer*s Sozialarbeiter*in stark verändern. 


Wer unterstützt (und begleitet) Sie auf Ihrem Weg?

Meine tollen Kolleg*innen an der Hochschule, der unkomplizierte Kontakt zu den Lehrenden und der kollegiale Austausch mit Praxiskolleg*innen anderer Hochschulen in Berlin und überregional. Die Vernetzung auch auf Bundesebene ist enorm hilfreich zur Reflexion und Weiterentwicklung von Ideen für den Arbeitsbereich.


Gefällt Ihnen Ihr Arbeitsalltag? 

Das Praxisreferat ist der schönste Arbeitsbereich in der Hochschule, da täglicher Kontakt mit Studierenden, Lehrenden, Verwaltungskolleg*innen, den Praxisstellen – und vielen anderen besteht. Das bringt – bei aller wiederkehrender Routine – ständig neue Impulse und Anregungen und Abwechslung. Und die Arbeit ist sinnerfüllend.


Inwiefern hat Ihr Auslandsaufenthalt Ihre akademischen oder beruflichen Perspektiven erweitert?

Meine beiden studienintegrierten Praxisphasen habe ich in Brasilien in einem SOS-Kinderdorf absolviert, das völlig abseits im ländlichen Raum lag. Das ist ca. 40 Jahre her; ich war damals die einzige Fremde dort. Es gab kein Internet oder Handy, Briefe waren wochenlang unterwegs und Telefonate nach Hause waren teuer, also fanden diese nur zu Weihnachten und Geburtstagen statt. Ich bin bis heute dankbar für die Fremdheitserfahrung, sie erinnert mich bis heute daran, welch enormen Anpassungsdruck Zuwander*innen in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind. Aber auch wie verbindend der Austausch über viele Themen war und  wie gemeinsam gelacht werden konnte.

Und außerdem? 

Mein unbedingtes Plädoyer dafür, dass für Studierende eine umfangreiche, zusammenhängende Praxiszeit im Studium erhalten bleibt, um ihr Theoriewissen anwenden und sich in der angehenden professionellen Rolle erleben und reflektieren zu können. Es ist wichtig ausprobieren zu können, welche Zielgruppe, Organisationsstruktur oder welches Handlungsfeld für sie passen könnte – oder eben nicht passt. 

Wir bedanken uns herzlich bei für die interessanten Einblicke!

Anette Reck