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Berufsprofil Masterstudiengang Klinische Sozialarbeit

Sozialepidemiologische Befunde lassen keinen Zweifel daran, dass soziale Faktoren die Morbidität und Mortalität der Bevölkerung in Deutschland in erheblichem Maße beeinflussen. Um so mehr muss verwundern, dass Hilfeangebote der Sozialarbeit, mit denen die soziale Dimension gesundheitlicher Problemlagen thematisiert und bearbeitet werden kann, im derzeitigen Gesundheitssystem einen relativ geringen Stellenwert haben. Es ist der Sozialarbeit noch nicht überzeugend gelungen, ihren spezifischen Beitrag zu mehr Gesundheit bzw. Gesundung in der Bevölkerung herauszustellen und fachlich zu begründen.

Angesichts der Zunahme und der Dominanz chronischer Erkrankungen (z. B. psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen, Skeletterkrankungen) in Deutschland verweist die Randständigkeit der Sozialarbeit in der Akutversorgung des Gesundheitssystems auf erhebliche Versorgungsdefizite. Chronische Erkrankungen wirken je nach Schweregrad in verschiedene Lebensbereiche der Erkrankten hinein und können die Lebensqualität erheblich einschränken (Arbeitsplatz, Familie, Freizeit, finanzielle Lage, soziale Netzwerke etc.). Die steigende Lebenserwartung und die zugleich zunehmend brüchiger werdenden sozialen Netze der Menschen lassen einen erheblichen Bedarf an professioneller sozialer Beratung, Behandlung und Begleitung erwarten, dem derzeit im Gesundheitssystem nicht systematisch Rechnung getragen wird.

Einen qualitativen Schub hat die Entwicklung der Sozialarbeit durch die Klinische Sozialarbeit erfahren, die sich seit vielen Jahren als ein neues Fachgebiet der Sozialarbeit in Deutschland formiert. Hinter dem Begriff Klinische Sozialarbeit verbirgt sich mehr als die traditionsreiche Sozialarbeit im Krankenhaus, die unter dem Namen „Krankenhaussozial-dienst“ vielen bekannt ist. Bei der Klinischen Sozialarbeit handelt es sich um eine eigenständige Fachsozialarbeit, die sich in sozialarbeitsspezifischen Formen der Behandlung von sozio-psycho-somatisch zu verstehenden Störungen, Erkrankungen und Behinderungen entfaltet. Der Begriff Behandlung steht in der Klinischen Sozialarbeit für eine Vielfalt von Handlungskonzepten und Methoden wie etwa Beratung, Sozialtherapie, Case Management und Krisenintervention, die fallbezogen und flexibel eingesetzt werden können. Um diesen Ansprüchen gerecht werden zu können, bedarf es der zusätzlichen Qualifizierung von SozialarbeiterInnen, die auf einer grundständigen Ausbildung und einschlägiger Berufserfahrung aufbaut und für professionelles klinisches Denken und Handeln qualifiziert.

Die Entwicklungen und Strukturveränderungen im Gesundheitsbereich der vergangenen Jahre, etwa die Einführung der sozialen Pflegeversicherung, die Erweiterung der ambulanten Rehabilitation, die Umstrukturierungen in den Beratungsdiensten, Novellierungen des SGB sowie die Verankerung der Soziotherapie als Regelleistung im SGB V haben die Kompetenzen und Arbeitsmöglichkeiten von Sozialarbeitern/-innen in einem erheblichen Maße verändert und erweitert.

Klinische Sozialarbeit - Orte der Berufspraxis

  • Sozialpsychiatrische und Sozialmedizinische (Beratungs-)Dienste
  • pädagogisch oder therapeutisch begleitete Wohnformen
  • Einrichtungen der Behindertenhilfe
  • ambulante und (teil-)stationäre sozial- und gemeindepsychiatrische
    Einrichtungen
  • Beratungsstellen für Flüchtlinge und Migrant/-innen
  • Einrichtungen der Jugend- und Familienhilfe
  • Akut-, Fach- & Rehabilitationskrankenhäuser
  • ambulante Rehabilitationseinrichtungen
  • Einrichtungen der Altenhilfe und Hospize
  • Einrichtungen der Suchtberatung/-therapie
  • Behandlungs- und Beratungseinrichtungen für traumatisierte
    Menschen
  • Berufsbild Klinische Sozialarbeit