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Feb 29

Digitale Medien in offenen Hochschulen, was-wie-wozu-wohin?

Technischen Fortschritt mitzubekommen bedeutet doch mindestens zweierlei, nämlich einerseits zu erfahren was es an Neuerungen gibt und welche Entwicklungen konkret vollzogen werden und zum anderen sich ein Bild davon zu machen, wie mit diesen neuen Entwicklungen konkret umgegangen werden kann und was ihre Anwendung für Folgen hat. Um also dem State of the Art wieder etwas näher zu kommen, hat sich die Servicestelle E-Learning auf den Weg nach Karlsruhe gemacht, und genau: zur eintägigen Netzwerktagung “Digitale Medien in der Wissenschaftlichen Weiterbildung”.

Nach den eröffnenden Worten gab es einen Impulsvortrag zum Thema „Kompetenzentwicklung im Netz“. Darin wurde der Prozess der Entwicklung von Konzepten des E-Learning als „Wissensvermittlung“ hin zu Sozial-Blended-Learning als Form des „forschenden Lernens“ nachgezeichnet und vor allem letzteres erfahrungsbasiert in Beziehung gesetzt zu diversen Weiterbildungsformaten mit dem erklärten Ziel, Kompetenzen zu entwickeln. Daran anschließend wurde eine konkrete, virtuelle Lern- und Studierumgebung gezeigt, die sich von den verbreiteten LernManagementSystemen wie bspw. Moodle vor allem über die ästhetisch ansprechende und z.T. persönlich organisierbare Oberfläche unterscheidet. Über die Einbindung von zu großen Teilen selbstproduzierten Materialien wie kurzen Lehrvideos oder strukturierten Texten wird damit an der PH Karlsruhe ein umfassendes Blended-Learning-Konzept realisiert.

Technisch etwas weniger aufwändig, dafür gleichzeitig curricular sowohl in der wissenschaftlichen Weiterbildung als auch als grundständiges Studienangebot aufgesetzt, wird an derselben Hochschule, unter dem Titel „Bildung im Alter“ ein weiterbildendes Zertifikatsprogramm und ein potenziell daran anschließender Masterstudiengang weitgehend in Moodle abgebildet. In diesem Vortrag wurde deutlich, welche inhaltlichen und formalen Schnittstellen zwischen mindestens zum einen Bildungsprogrammen und zum anderen Lehrformaten eine Rolle spielen können und entsprechend konzeptionell zu berücksichtigen sind.

Der Hype von MOOCs ist vorbei und nun sind wir wohl gerade noch so im Tal_der_Tränen, Zeit also das Plateau_der_Produktivität zu bewirtschaften, so in etwa wurde unter dem Titel „MOOCs – Format oder Marketing?“ skizziert, welche lernrelevanten Aspekte einem derartigen Videoformat innewohnen, aber vor allem, welche Potenziale in Hinblick auf die Außenwirkung des Angebots von Hochschulen zu markieren sind und warum die Kosten-Nutzen-Rechnung bei dessen Einsatz entsprechend nicht nur an studentischem Bildungserfolg sondern auch über die Positionierung der Hochschulen im Bildungsmarkt orientiert sein kann.

Im abschließenden Vortrag wurde präsentiert, wie ein „virtueller Schreibtisch in der Cloud als multimedialer Arbeitsraum im berufsbegleitenden Studium“ eingesetzt werden kann. In dieser Entwicklung können die Studierenden wie auf ihrem eigentlichen Campus an der Uni Ulm „Materialien und Interaktionen zu Kommilitonen und Lehrenden finden“ und sich für ihre Studienzeit einen eigen virtuellen Arbeitsplatz einrichten.

Das digitale Medien zur formalen bzw. zur institutionalisierten Bildung gehören wird nun seit vielen Jahren diskutiert, erprobt, vollzogen und kaum noch bestritten. Es kommen immer wieder neue Technologien und neue Formen des Umgangs damit hinzu und das Tempo dabei steigt an. In fast gleichem Maße verlangsamt sich die Frequenz, in der innegehalten wird und den Fragen, wozu im Einzelfall dies nützt und wohin jenes führt nach zu gehen. Das aber ist, so der Eindruck am Ende der Tagung und Zwischenbilanz des eigenen Tuns in der Beratung zum Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre, dringlich notwendig und vermutlich hilfreich.

Benjamin Klages