• Senden
  • Drucken

Kinder in Konzentrationslagern

"Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" - Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Manfred Kappeler am 25.01.2018


Die als „Jugendschutzlager“ bezeichneten Jugendkonzentrationslager Moringen (für Jungen) und Uckermark (für Mädchen) wurden auf Betreiben Himmlers und seines Stellvertreters Heydrich in Absprache mit den obersten Jugendhilfebehörden des NS-Regimes errichtet. Ca. 3000 Jungen und Mädchen wurden dort inhaftiert. Es handelte sich überwiegend um „arische“ Jugendliche, die sich der Erfassung durch die Hitler-Jugend widersetzten und deren Lebensstil nicht den Leitbildern vom „deutschen Jungen“ bzw. „deutschem Mädel“ entsprachen. Die „Einweisung“ in ein Jugendkonzentrationslager erfolgte nur, wenn das zuständige Jugendamt mit einer „gutachterlichen Äußerung“ erklärte, dass die „Betreuung durch Jugendhilfe, insbesondere auch Schutzaufsicht und Fürsorgeerziehung versagt hat oder von vornherein als erfolglos erscheint.“  Die Mehrzahl der inhaftierten Jugendlichen wurden von den Jugendbehörden und den Trägern der Fürsorgeerziehungsanstalten an Polizei und SS gemeldet, in deren direkter Zuständigkeit die Jugendkonzentrationslager geführt wurden. Nach 1945 wurden diese Lager in den Verzeichnissen des AFET noch lange als Fürsorgeerziehungsanstalten für sog. schwersterziehbare  oder unerziehbare Jugendliche geführt. Die Überlebenden wurden jahrzehntelang nicht als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung anerkannt. Die Verantwortlichen für die Errichtung und Betreibung der Jugendkonzentrationslager machten dagegen in der Sozialen Arbeit, dem Schulwesen und der Polizei der Bundesrepublik z.T. beachtliche Karrieren.


Der Vortrag beleuchtet dieses kaum bekannte finstere Kapitel in der Geschichte der Jugendhilfe.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag den 25. Januar 2018 um 12.00 Uhr statt