Wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts Alte Schule Karlshorst: integratives und generationsübergreifendes Wohnen

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung förderte die Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen mit einer Millionen Euro aus dem Förderprogramm: "Altbausanierung städtebaulich oder wohnungspolitisch besonders bedeutsamer Einzelvorhaben". Das Projekt in Karlshorst ist das letzte Projekt, das aus diesem Förderprogramm Mittel erhält.

Das Projekt konnte nach der baulichen Fertigstellung zu Beginn des Jahres bezogen werden. Eine Besonderheit des Projektes ist die vom Fördergeber festgelegte Belegungsquote von einem Drittel der Wohnungen durch Menschen, die im Fördervertrag als ?alt, behindert und/oder pflegebedürftig? beschrieben werden. Eine weitere Besonderheit liegt in der Beteiligung einer Wohngruppe für zehn Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung (gem. §34 SGB VIII) des Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg e.V., die eine der Wohnungen und einen Teil der Gewerbefläche im Souterrain bezogen hat.

 

Projektdesign

Im Rahmen der Förderung des Modellprojekts ist die Katholische Hochschule für Sozialwesen (KSHB) für drei Jahre mit der wissenschaftlichen Begleitung beauftragt worden. Die Finanzierung erfolgt durch Mittel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Mittel der SelbstBau e.G. Die wissenschaftliche Begleitung wird durch Prof. Dr. K. Ortmann und Prof. Dr. R.-B. Zimmermann geleitet, als wissenschaftlicher Mitarbeiter wurde U. Binner, ein Absolvent des Diplomstudiengangs Soziale Arbeit, eingestellt. Die Hochschule finanziert zwei studentische Hilfskräfte für das Projekt, bisher haben zwei Praktikanten (Studierende der Sozialen Arbeit) im Projekt mitgearbeitet.

Die wissenschaftliche Begleitung untersucht den Prozess der Umsetzung des Modellprojektes und bewertet seinen Erfolg. Die Forschung bezieht sich vor allem auf folgende Themenbereiche:

  • Träger und Konzeption des Modellprojekts
  • Interessenten, Bewerber, Bewohner
  • Auswahl der Bewohner aus der Gruppe der Interessenten
  • Beteiligung der zukünftigen Bewohner an der Projektplanung, Ausführung und Bewirtschaftung
  • Unterstützungspotentiale und Unterstützungsbedarfe und die Vernetzung der Bewohner
  • Soziodemographische Daten der Interessenten und Bewohner
  • Der Prozess der Gruppenentstehung in der Vorlaufsphase vor dem Einzug
  • Das Zusammenleben der Bewohner im Projekt nach der baulichen Fertigstellung- Beforschung der Nachbarschaft/des Sozialraumes

 

Die wissenschaftliche Begleitung ist multidimensional und multiperspektivisch angelegt. Einen Schwerpunkt im Forschungsansatz bilden sozialwissenschaftliche und sozialarbeitswissenschaftliche Theorien und Konzepte.

Die Forschung erfolgt nach der Grounded Theory (Corbin & Strauss), das heißt, die Daten werden laufend ausgewertet, aus diesen Auswertungen erhaltene Informationen und generierte Fragen werden wiederum am Datenmaterial überprüft, die Erkenntnisse aus den laufenden Auswertungen werden als Grundlage für erneute Datenerhebungen verwendet. Im Sinne des theoretical samplings werden möglichst gegensätzliche Datensätze verglichen, um die erhaltenen Ergebnisse zu validieren. Der Forschungsprozess ist beendet, wenn eine Theorie aus der Datenauswertung gebildet werden konnte, zu der aus den Daten keine weiteren Informationen mehr gewonnen werden können. Dieser Punkt wird als theoretische Sättigung beschrieben.

 

Zur Datenerhebung wurden/werden verschiedene Verfahren verwendet und verknüpft:

  • Teilnehmende Beobachtung an Versammlungen und Veranstaltungen I
  • nterviews mit Interessenten und Bewerbern
  • Ratingfragebögen
  • Experteninterviews
  • Problemzentrierte Interviews mit Aussteigern
  • Leitfadeninterviews mit Teilnehmern des Projekts
  • im Verlauf der Entstehungsphase Leitfadengestützte Kurzinterviews mit den Bewohnern
  • nach dem Einzug Standardisierte Fragebögen zur Erhebung von demografischen und biografischen Daten

Nach Beendigung der Einzugsphase im Februar 2008 wurde durch die wissenschaftliche Begleitung eine Gesamtbefragung aller volljährigen Bewohner des Modellprojekts durchgeführt, hierbei wurden drei Erhebungsinstrumente verwendet:

  • ein leitfadengestützten Kurzinterview, welches aufgezeichnet und komplett transkribiert wurde
  • ein Fragebogen mit neun Ratingfragen und
  • ein standardisierter Fragebogen zu demografischen und biografischen Daten

Eine zweite Gesamtbefragung der Bewohnergruppe ist für Ende Juni 2008 geplant. Eine weitere Datenerhebung zu einem späteren Verlaufspunkt ist ohne eine Anschlussfinanzierung nicht möglich.

 

Abschlussbericht

Hier finden Sie den Abschlussbericht.

 

Weitere Informationen

www.generationenwohnen.net

 

Ansprechpartner an der KHSB:

Prof. Dr. Karlheinz Ortmann

Tel:++49-30-50 10 10 84

karlheinz.ortmann(at)khsb-berlin.de