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TAGUNGSWORKSHOP 5: PSYCHOSOZIALE BERATUNG

Leitung: Michael Vogt und Günther Wüsten

Beziehungsorientierte Beratung älterer Paare

Vortrag von Michael Vogt

Keine Generation zuvor hatte die Chance – soweit sich die »Liebe nicht vorher verflüchtigte« –, eine so lange nachfamiliale partnerschaftliche Phase miteinander verbringen wie die jetzt 60-, 70- und 80-jährigen Paare. Zugleich zeigen die zunehmenden Scheidungszahlen im höheren Lebensalter auf, dass die Anfälligkeit von Beziehung über die gesamte Lebensspanne andauert und zahlreiche Entwicklungsaufgaben zu bewältigen sind. Umso bedeutsamer ist es, die Lebenswirklichkeit von »ehe- und partnerschaftserfahrenen Paaren« mit ihren Begrenzungen und ihren Sehnsüchten differenziert wahrzunehmen und Angebote zur Bewältigung von Konflikten und Krisen zu gestalten.

Beratungskontrakte mit KlientInnen höheren Lebensalters sind dabei stark von divergenten Erwartungen beider PartnerInnen einerseits und unterschiedlichen Definitionen des Veränderungsbedarfs zwischen KlientInnen und BeraterInnen gekennzeichnet. Innere Leitbilder und Altersmythen erschweren nicht selten den Zugang von meist jüngeren BeraterInnen zur Lebenswelt älterer KlientInnen und lebenserfahrener Paare. Dabei versteht sich die Beziehungsorientierte Beratung als niedrigschwelliges Angebot psycho-sozialer Unterstützung, das »lebenserfahrenen« Paaren ab dem Zeitpunkt des Übergangs in den Ruhestand bei der Klärung und Bewältigung anstehender Fragestellungen in ihrem Leben und in ihrer Partnerschaft zur Verfügung steht.

Im Workshop stehen die Alterität lebenserfahrener KlientInnen und ihre Ambivalenz als konstruktives Merkmal einer professionellen Klient-Berater-Beziehung im Fokus.

Anhand von Fallbeispielen bzw. Erfahrungen und Wahrnehmungen der TeilnehmerInnen aus ihren Praxisfeldern soll die Frage innerer Vorbedingungen an KlientInnen ebenso betrachtet werden wie der notwendige institutionelle Rahmen. Über den Ansatz der der Beziehungsorientierten Beratung unter Einbezug der szenischen Diagnostik sollen Zugangswege zu älteren Paaren eröffnet werden, die eine gemeinsame prozesshafte Beratungsarbeit unter Beachtung der Selbstverantwortlichkeit der KlientInnen ermöglichen. Ziel des Workshops ist damit eine Form der psychosozialen Beratung, die »mit statt gegen den Wind« Erlebens-, Handlungs- und Veränderungsoptionen eröffnet.

Literatur: Vogt, M. (2001). Partnerschaft im Alter. Freiburg: Lambertus.  Vogt, M. (2009). Beziehungskrise Ruhestand (2. aktual. Aufl.). Freiburg: Lambertus.  Pauls, H. (2004). Klinische Sozialarbeit. Grundlagen und Methoden psycho-sozialer Betreuung. Weinheim: Juventa.

Informationen zum Leiter: Michael Vogt, Prof. Dr. phil., Dipl. Pädagoge, Diplom-Sozialarbeiter, Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberater, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Supervisor (BAG), Hochschule Coburg

Kontakt: michael.vogt(at)hs-coburg.de

Beziehungsgestaltung in der Psychosozialen Beratung 

Vortrag von Prof. Dr. Günther Wüsten

Beratungsarbeit ist Beziehungs-, Begegnungs- und Entwicklungsarbeit zugleich. Sie erfordert die Fähigkeit, beziehungsstiftend, differenziert und zielorientiert zu sein. Zudem setzt sie die Bereitschaft voraus, sich immer wieder neu und wertfrei mit verschiedenen Lebensstilen und den damit verbundenen Bewältigungsstrategien auseinanderzusetzen und eigene Gefühle und Werte zu hinterfragen. Es ist unumstritten, dass die Qualität der Beratungsbeziehung ausschlaggebenden Einfluss auf den Erfolg der Beratung nimmt. Die Eingangsbedingungen für die Gestaltung einer guten Beratungsbeziehung sind zu Beginn in der psychosozialen Praxis recht ungünstig. Vielfach ist schon die Freiwilligkeit von Beratung nicht gegeben. Während sich die Fachpersonen um eine gute Beziehung bemühen, versuchen die ratsuchenden Personen sich zu schützen, abzuschätzen, welche Risiken von den Fachpersonen ausgehen. Nach einem Prozess lang anhaltender frustrierender Lebenserfahrung kann eine fokussiert ressourcenorientierte Haltung geradezu Misstrauen hervorrufen. Neuere, auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauende Modelle, zielen auf die Aktivierung des Annäherungssystems hin.

Im Workshop werden verschiedene Modelle, welche einer positiven Beziehungsgestaltung dienen sollen, vorgestellt. Dazu gehören die Motiv- und ressourcenorientierte Beziehungsgestaltung sowie Methoden der empathischen Vertiefung. Anhand von Fallbeispielen wird diskutiert, wie Beziehungen trotz widriger Umstände wirkungsvoll in der psychosozialen Praxis gestaltet werden können.

Literatur: Flückiger, C. & Wüsten, G. (2008). Ressourcenaktivierung. Ein Manual für die Praxis. Bern: Huber.  Grawe K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.  Pauls, H. (2004). Klinische Sozialarbeit: Grundlagen und Methoden psycho-sozialer Betreuung. Weinheim/München: Juventa.

Informationen zum Referenten: Günther Wüsten, Prof. Dr. phil., Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Dipl. Sozialpädagoge FH, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Soziale Arbeit. 

Kontakt: guenther.wuesten(at)fhnw.ch